Was meint LSBTI?

L esbisch
S chwul
B isexuell
T rans
I nter

Die Buchstabenkombination steht für einzelne sexuelle und geschlechtliche Identitäten, die im Laufe ihrer historischen Ausbildung mal gemeinsam für Emanzipation mal getrennt kämpften. Homosexuelle Männer bezeichneten sich seit der Politisierung in der Schwulenbewegung Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland als „schwul“, homosexuelle Frauen - ebenfalls politisch organisiert seit den 70er Jahren vor allem im Rahmen der Frauenbewegung - als „lesbisch“.  Anfangs kämpften vor allem in den USA unter dem Label „Gay“ auch viele weitere Identitäten zusammen. Ihre Wege trennten sich jedoch schnell und fanden erst im Laufe der Zeit wieder zusammen. So wurde die lange Zeit durch schwule und lesbische Menschen dominierte Bewegung ergänzt durch bisexuelle, transsexuelle, transgender und intersexuelle Menschen. Obwohl die einzelnen Belange oft sehr unterschiedlich sind und gemeinsame Forderungen teils nur schwer formulierbar sind, verweist die Buchstabenkombination LSBTI auf die Idee einer solidarischen Bewegung marginalisierter sexueller und geschlechtlicher Identitäten. 

Die einzelnen Identitäten sind jedoch so vielfältig, wie die sich unter ihnen zusammenfindenden Menschen.  Die Bezeichnungen können als Orientierung dienen und identitätsstiftend sein. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie nicht starr und festgesetzt sind, sondern sich mit den Menschen erweitern und verändern können. 

Als lesbisch bezeichnen sich Frauen, die Frauen lieben und/oder begehren. Lesbisch ist eine Selbstbeschreibung der eigenen sexuellen Orientierung bzw. Identität. Der Begriff ‚Lesbe‘ wurde lange Zeit herabwürdigend verwendet. Inzwischen wird er von vielen gleichgeschlechtlich orientierten Frauen jedoch selbstbewusst als Eigenbezeichnung benutzt. Einige verwenden für sich auch Begriffe wie frauenliebend, homosexuell, etc. Wieder andere wollen allerdings ausdrücklich nicht als Lesbe bezeichnet werden, auch wenn sie als Frauen Frauen lieben und/oder begehren. 

Als schwul bezeichnen sich Männer, die Männer lieben und/oder begehren. Es ist eine Selbstbeschreibung der eigenen sexuellen Orientierung bzw. Identität. Der Begriff ‚Schwuler‘ wurde und wird teilweise immer noch herabwürdigend verwendet. Seit der Schwulenbewegung der 70er Jahre wird er von schwulen Männern selbstbewusst als Eigenbezeichnung benutzt. Einige verwenden für sich auch Begriffe wie männerliebend, homosexuell, gay, etc.

Als bisexuell bezeichnen sich Menschen, die sowohl Frauen als auch Männer lieben und/oder begehren. Es ist eine Selbstbeschreibung der eigenen sexuellen Orientierung bzw. Identität. Uneindeutiges Begehren stellt die Vorstellung einer klaren Trennung in heterosexuell und homosexuell in Frage. Von einigen wird Bisexualität auch als Widerspruch zum Wert der Monogamie angesehen. Daher können bisexuelle Menschen Irritationen auslösen und sind Vorurteilen sowohl von heterosexueller wie von homosexueller Seite ausgesetzt.

trans ist eine lateinische Vorsilbe und bedeutet „hinüber“, „auf die andere Seite“. Trans dient als Überbegriff für alle Menschen, die sich nicht, kaum oder uneindeutig mit ihrem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht identifizieren können. Es umfasst sowohl Transsexuelle, Transgender, Transvestiten, als auch alle nicht geschlechtkonformen Identiäten (z.B.: Neutrois, Androgyne, Crossdresser). Einige Menschen lehnen jeden der genannten Begriffe jedoch ab. Sie sind Frauen oder Männer mit Körpern, bei deren geschlechtlicher Entwicklung ein Fehler passiert ist, den sie durch korrektive Maßnahmen beheben können. Wieder andere bezeichnen sich auch nicht als Trans, sondern schlichtweg als Frauen oder Männer, wollen jedoch keine korrektiven Maßnahmen durchführen: Nicht der Körper bestimmt das Geschlecht einer Person, sondern die Person selbst. 

Als transsexuell werden Menschen bezeichnet oder bezeichnen sich selbst, deren Geschlechtsidentität nicht mit ihrem anatomischen Geschlecht übereinstimmt. Transsexuelle Menschen ergreifen oft (aber nicht immer) Maßnahmen, um ihrem Identitätsgeschlecht auch körperlich zu entsprechen (z.B. Hormontherapien oder geschlechtsangleichende Operationen). Transsexuelle Menschen haben in der Regel eine eindeutige Zuordnung in Bezug auf das eigene Geschlecht zu Mann oder Frau. 

Als transgender bezeichnen sich häufig Menschen, die sich mit ihrem geschlechtlichen Selbstverständnis nicht oder nicht ganz in einem zweigeschlechtlichen Gesellschaftsbild wiederfinden. Der Begriff kann sich auch auf Menschen beziehen, die sich zwischen den Geschlechtern verorten, oder sich selbst keinem Geschlecht bzw. sich situativ und/oder temporär einem Geschlecht zuordnen. Transgender wird aber auch oft bewusst anstelle von "Transsexualität" gebraucht, da der Begriff sprachlich keinen Bezug zu Sexualität herstellt und im Gegensatz zu "transsexuell" keinen medizinischen Hintergrund hat. Der Begriff transgender ist dabei viel weiter gefasst und beinhaltet nicht zwingend, dass sich Identitätsgeschlecht und anatomisches Geschlecht in einem Widerspruch zueinander befinden. Für viele Menschen ist die Möglichkeit, alle Aspekte der geschlechtlichen Identitätsvielfalt selbstbestimmt leben zu können, ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Transgender ist eine der vielfältigen geschlechtlichen Identitäten und sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Menschen aus.

Intersexualität ist eine Ausprägung des menschlichen Körpers: auch in der Kombination von körperlichen Anlagen gibt es eine immense Vielfalt. Als intersexuell benennen sich Menschen, deren Körper nicht der medizinischen Norm von „eindeutig männlich“ oder „eindeutig weiblich“ zugeordnet werden kann, sondern sich aufgrund verschiedener Merkmale in einem Spektrum dazwischen bewegt. Die Vielfalt in der Kombination der verschiedenen Geschlechtsmerkmale ist mittlerweile vom Gesetzgeber anerkannt. Seit November 2013 wird das Merkmal Geschlecht offen gelassen, wenn ein Kind nicht eindeutig Körpermerkmale für männlich oder weiblich aufweist. Dennoch besteht noch heute ein gesellschaftlicher Druck zur Herbeiführung korrektive Maßnahmen. Heute werden intersexuelle Kinder daher immer noch oft zu einem (meistens dem weiblichen) Geschlecht umoperiert. Diese Operationen können später zu erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen und psychischen Problemen führen.